Archiv der Kategorie: Über den Tellerrand geschaut

Muss man unbedingt frühstücken?

Das Frühstück wurde in Fachkreisen gern als wichtigste Tagesmahlzeit ausgelobt. Im wirklichen Leben sind die Meinungen über ein ordentliches Frühstück geteilt. Da gibt es die begeisterten Frühstücker, die morgens auf nichts Kulinarisches verzichten möchten und ohne Frühstück nicht in den Tag starten können. Und da gibt es die anderen, die Morgenmuffel, die morgens keinen Bissen herunter kriegen. Sollen die ernsthaft auch ordentlich frühstücken? Es verbietet sich eigentlich von selbst, Menschen zum Essen zu raten, wenn sie keinen Hunger haben, egal um welche Tageszeit es sich handelt. Muss man unbedingt frühstücken? weiterlesen

Aber sonst gesund?

Auf Radio Okerwelle (104,6) läuft am Dienstag nach Ostern, dem 18.04.2017, kurz nach den 15 Uhr-Nachrichten meine Sendung  über Ernährungsmythen und darüber, was wir so alles tun, um gesund zu bleiben oder lassen, um nicht krank zu werden. Was ist dran an  Detox-Kuren und Superfood? Sind Hanf- und Kokosöl wirklich so gesund, wie uns die Werbung glauben machen will? Und müssen wir unbedingt frühstücken, sogar dann, wenn wir gar keinen Hunger darauf haben? Fragen über Fragen, die in der Sendung einige überraschende Antworten finden.

Alle Jahre wieder

Zu Weihnachten wird in den meisten Familien gut und gern geschlemmt. Das ist schon seit langen Zeiten so und ist heute nicht anders. Mit dem Unterschied, dass heute die meisten von uns – dank der Ernährungsaufklärung der letzten fünfzig Jahre – ein schlechtes Gewissen dabei haben. Und genau das ist schlimmer für die Figur als es ein opulentes Essen sein könnte. Alle Jahre wieder weiterlesen

Zu gesund ist nicht gesund

Frage an Radio Eriwan: „Macht ungesundes Essen krank?“

Antwort: „Im Prinzip nein. Solange Sie es nicht essen“.

Wenn Sie über diese Antwort schmunzeln können, dann leiden Sie nicht an Orthorexie. Aha. Jetzt möchten Sie aber doch wissen, woran Sie nicht leiden? Unter Orthorexie wird die obsessive Sucht nach einer gesunden Ernährung verstanden, die für den Betroffenen zum Lebensmittelpunkt wird. Der Begriff setzt sich aus dem griechischen „orthos“ (richtig, korrekt) und „orexis“ (Appetit, Begierde) zusammen. Gesund essen zu wollen, ist eigentlich ein vernünftiger Vorsatz. Wird dieser Vorsatz jedoch zur fixen Idee, dann ist das nicht gesund. Zu gesund ist nicht gesund weiterlesen

Honig: Süß und klebrig und was noch?

Um den Honig ranken sich unzählige Mythen. Die Götter der Antike verdankten ihm ihre Unsterblichkeit. Die alten Ägypter sahen im Honig die Tränen des Sonnengottes Ra. Allvater Odin bezog Weisheit und Kraft aus dem klebrigen Saft. Im Alten Testament zieht es die Kinder Israels in das Land, in dem Milch und Honig fließen. All dies wird die aufgeklärten Geister unserer Zeit schwerlich von der Besonderheit des Honigs überzeugen können. Vielleicht hilft hier Hippokrates weiter, der um 400 v.Ch. gelebt hat. Ein medizinischer Tausendsassa, dem man heute so ziemlich alles zuschreiben kann, was an Weisheit für Sanitas und Wohlbefinden überliefert worden ist. So wusste er über die fiebersenkende Wirkung des Honigs und verwendete ihn sogar zur Behandlung von offenen Wunden. Honig: Süß und klebrig und was noch? weiterlesen

Chiasamen. Superfood ?

Eigentlich stehe ich bei meinen Kindern und Patienten in dem Ruf, einen sehr langen Geduldsfaden zu haben. Aber es gibt Dinge unter der Sonne, die machen mich böse. Dazu gehört die verzweifelte Suche übersatter Zivilisationen nach neuen Nahrungsquellen. Immer gesünder, immer effektiver und nach Möglichkeit von weit her soll es sein.

Chia ist als Nahrungsmittelzusatzstoff seit etwa zwei Jahren der Hype auf dem Gesundheitsmarkt. Als Heilsamen der Maya angeblich so gesund, dass der bewusste Esser es unbedingt an sein Müsli oder Smoothie löffeln muss. So teuer, dass es sich nur die Reichen und Schönen rund um die Uhr leisten können. Nach dem Einweichen so glibberig, dass man schon sehr von den beworbenen Vorteilen geblendet sein muss, um es mitessen zu wollen. Und so wunderbar exotisch. Das macht doch mehr her als unsere einheimischen Leinsamen. Chiasamen. Superfood ? weiterlesen

Low Carb für den Hund?

Ursula Bien: Low-Carb für den Hund
Systemed-Verlag, Lünen, 1. Auflage 2015

Nanu, fragt sich der erstaunte Leser angesichts des Buchtitels, wieso braucht es ein spezielles Low-Carb-Buch für Hunde, wenn die artgerechte Speisung für Carnivoren von jeher aus überwiegend tierischem Material besteht? Aber es stimmt. Diese unumstößliche Tatsache scheint in den letzten Jahren bei vielen Hundebesitzern in Vergessenheit geraten zu sein. Da wird von manchen allen Ernstes überlegt, den Hund vegan zu füttern, ohne zu erkennen, dass die ethisch-moralischen Bedenken gegen die Qual von Tieren den eigenen Hund ganz offenbar nicht einbeziehen. Einen Fleischfresser vegan ernähren zu wollen, ist zutiefst unmoralisch und erfüllt den Tatbestand der Tierquälerei. Auch ist es nicht zielführend, den dicken Fiffi mit einer Reis-Gemüsediät auf Kohlenhydratmast und damit auf eine (nicht nur für Hunde!) qualvolle Mangeldiät zu setzen. Low Carb für den Hund? weiterlesen

Von Weizenwampen und Hirnweichmachern

In letzter Zeit machen Ernährungsratgeber Furore, die uns den Weizen madig machen. Er soll für die dicken Bäuche verantwortlich sein, die zunehmend unser Stadt- und Landbild prägen. Schlimmer noch: all die neuzeitlichen Geißeln der Menschheit von Konzentrationsstörungen über Burnouts, Migräne, Gelenkerkrankungen, Diabetes, Herzerkrankungen, Schlaganfall und Alzheimer seien durch unsere liebgewordenen Weizenprodukte hausgemacht. Sie seien nur zu verhindern, wenn man radikal die Finger von Brot, Pasta, Keksen und den meisten industriell verarbeiteten Lebensmittel lässt. Schock! Sie fragen sich wahrscheinlich gerade, was Sie jetzt noch essen dürfen. Von Weizenwampen und Hirnweichmachern weiterlesen

An apple a day keeps the doctor away

Mit dem Volksmund ist das so eine Sache. Oft steckt ein wahrer Kern in der bewährten Aussage. Sie ist jedoch so gut wie nie allgemeingültig. Dass ein Apfel pro Tag zeitlebens den Gang zum Doktor spart, ist natürlich ein ziemlich vollmundiges Versprechen. Und es trifft sicherlich nicht auf jeden zu. Wer also bisher Äpfel aus welchem Grund auch immer gemieden hat, der soll sich beruhigt zurücklehnen. Vielleicht gehört er/sie ja zu jenem Personenkreis, für den Äpfel schlichtweg unbekömmlich sind. Diejenigen, die bisher auf Äpfel geschworen haben, können sich auch beruhigt zurücklehnen. Offenbar sind sie ihnen gut bekommen. Dennoch ist es gut, sich einige Gedanken zu machen.

Wir wollen hier nicht um den unterschiedlichen Vitamingehalt diskutieren, den die verschiedenen Apfelsorten ausweisen. In einem satten Land wie unserem, in dem jederzeit fast alles gegessen werden kann, was das Herz begehrt, ist das wahrhaftig nicht nötig. Wenn wir gesund bleiben oder werden wollen, geht es nicht allein um den ernährungsphysiologischen Wert eines Nahrungsmittels. Vielmehr geht es um die Frage, wie und wo es gewachsen ist, unter welchen sozialen Bedingungen es produziert worden ist und über welche Handelswege es auf unseren Teller gelangt ist. Und wenn so ein Apfel im Lebensmittelhandel ohne Schalenfehler angeboten wird, gleichmäßig in Farbe, Form und Größe, einer so schön wie der andere, fast so als käme er aus dem Klonlabor, dann ist das mit Sicherheit nicht einer von der Sorte, der den Doktor sparen kann. Es ist kaum anzunehmen, dass irgendein Wurm in so einem Apfel leben würde. Wenn ein Apfel als ausgewiesener Bioapfel darüber hinaus von weit herkommt, vielleicht gar aus Übersee, dann stellt sich der aufgeklärte Verbraucher hoffentlich die Frage, wie er denn hier herüber gekarrt worden ist. Mit Sojakerosin?

Wer den apple a day im Sinne der Volksweisheit nutzen möchte, der erntet ihn selbst oder kauft ihn bei einem Direktvermarkter aus dem Umkreis von – sagen wir mal – 50 Kilometern. Und, er isst nicht nach dem Motto „viel hilft viel“ allzu viel davon. Einen. Oder zwei 😉

Grüße in die Runde, Marianne Reiß