Bunte Ostereier

Bunt gefärbte Eier haben eine lange Tradition. Bei Ausgrabungen in Südafrika wurden 60.000 Jahre alte dekorierte Straußeneier gefunden. Sumerer und Ägypter verwendeten verzierte Straußeneier als Grabbeigabe. Bereits in vorchristlicher Zeit wurden rot gefärbte Eier der Frühjahrsgöttin Ostara als Fruchtbarkeitssymbole geopfert. Etwa ab dem 13. Jahrhundert fanden sie in Deutschland als christliches Symbol der Auferstehung Eingang in kirchliche Rituale. Spätestens seit dem 16.Jahrhundert wurden sie für die Ostereiersuche in Gras und Gebüschen versteckt. Die Frage, wer sie dort versteckt, wurde je nach Region unterschiedlich beantwortet. In der Schweiz war es der Kuckuck, im Westfälischen der Osterfuchs, in Thüringen der Storch und in Böhmen der Hahn. Letztlich hat sich der Osterhase gegen diese geballte Konkurrenz durchsetzen können.1682 enttarnte der Mediziner Georg Franck von Franckenau die Frage nach der Herkunft als eine Fabel, „die man Simpeln und Kindern“ zur Freude und Belustigung der Erwachsenen aufbinde. Den Osterhasen und seine Anhänger hat es nicht gestört. In jungen Familien ist das Färben und anschließende Suchen der bunten Eier noch immer untrennbar mit dem Osterfest verbunden.

Für das Färben von Ostereiern gibt es viele Theorien. Ein praktischer Hintergrund war die vierzigtägige Fastenzeit vor Ostern. Katholiken war in diesen Wochen der Genuss von Fleisch und Eiern verboten. Die Hühner allerdings hielten sich nicht an dieses Gebot. Sie legten – ganz besonders um diese Jahreszeit – fleißig weiter. Damit die Eier bis zum Osterfest nicht schlecht wurden, mussten sie gekocht werden. Um die gekochten von den rohen Eiern unterscheiden zu können, wurden färbende Pflanzenteile in das Kochwasser gegeben. Dazu wurden Blätter, getrocknete Blüten oder Schalen zunächst 10 bis 15 Minuten in Wasser vorgegart, die Eier dazu gegeben und noch einmal für weitere 10 Minuten gekocht. Mit Zwiebelschalen leuchten weiße Eier in kräftigem Goldbraun, getrocknete Kamillenblüten geben einen zarten Gelbton, ein Sud aus Petersilie färbt zartgrün, der Saft von Rote Bete ergibt einen sanften Rotton. Anschließend mit einer Speckschwarte oder Olivenöl abgerieben müssen die natürlichen Farben den Vergleich mit den kräftigeren heute handelsüblichen Chemiefarben nicht scheuen.

In der Berliner Küche sind Soleier nicht nur zu Ostern eine beliebte Option. Sie werden in einer starken Salzlösung eingelegt:

Zutaten: 12 Eier, 60 g Salz, 1 TL Zucker, 1 TL Kümmel, 1 TL schwarze Pfefferkörner, 3 Pimentkörner, 1 Lorbeerblatt, Zwiebelschalen, Öl, Essig, frisch gemahlener Pfeffer, Senf.

Zubereitung: Die Eier mit einem Eierpiekser anstechen. In einem großen Topf Wasser aufkochen, die Eier dazugeben und 10 Minuten kochen lassen. Abgießen und kalt abspülen. Jedes Ei auf der Arbeitsfläche rund herum anschlagen und in ein großes Glas schichten.

Für die Sole Salz, Zucker, Kümmel, Pfefferkörner, Piment, Lorbeer und Zwiebelschalen in einem Liter Wasser aufkochen. Den Sud etwas abkühlen lassen, über die Eier gießen und mindestens 24 Stunden ziehen lassen. Nach spätestens drei Tagen sollten die Eier – um nicht allzu salzig zu werden – aus der Sole geholt werden.

Wer Soleier nicht kennt, lässt sich am besten von Insidern zeigen, wie sie „unfallfrei“ gegessen werden können. Dazu wird das Ei gepellt und in zwei Hälften zerteilt. Das Eigelb wird vorsichtig heraus gehoben. In die so entstandene Mulde werden Öl, Essig und Senf gegeben und das Eigelb mit der runden Seite nach oben wieder aufgesetzt. Jetzt jede Eierhälfte mit einem Haps verzehren. Andernfalls riskiert man unschöne Fettflecken auf Kleidung und in der näheren Umgebung. Geübte Solei-Esser verzichten während dieses Vorganges konsequent auf Wortäußerungen.

Im Supermarkt gibt es fertig gefärbte Eier? Schon viele Wochen vor Ostern? Hart gekochte Eier halten sich bei Zimmertemperatur für etwa zwei Wochen, im Kühlschrank maximal vier Wochen. Die bunten aus dem Handel sind – sofern die Schale intakt ist – über mehrere Wochen bei Raumtemperatur haltbar. Dafür sorgt ein spezieller Schutzlack. Sie wollen die nicht wirklich….Wie uncool wäre das denn?

Veröffentlicht in: http://www.umweltzentrum-braunschweig.de/umweltzeitung/aktuelle-ausgabe.html

 

Ein Gedanke zu „Bunte Ostereier

  1. Soleier, das ist am Niederrhein auch immer eine Spezialität gewesen. Ich kann mich gut daran erinnern, dass mein Vater, wenn er mit uns unterwegs war, ein Solei bestellt hat. die Gläser standen meist auf der Theke. Aber sie wurden dann doch anders gegessen. 😉
    Das war eine Art Ritual. Zuerst die Schale vom „Kopf“ abgeklopft und dann kam da Senf, Essig und Maggi drauf. Da wurde auch eine bestimmte Reihenfolge eingehalten. Dann wurde abgebissen und das nachwürzen fing von vorne an. Kindheitserinnerungen. 😉

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*